Samstag

Es ist nur ein Moment und nicht mehr, den wir nicht fassen und greifen können, unsere Hände sind leer

Wenn ich gewusst hätte, das du später der wichtigste Mensch in meinem Leben werden würdest, hätte ich alle Stühle beiseite geschmissen, wäre auf dich zugelaufen und dich so fest in den Arm genommen, dass du nie wieder wegläufst. Aber da ich das natürlich noch nicht wusste saß ich nur gelangweilt auf dem Stuhl und sah nach vorne, an geschätzen hundert Köpfen vorbei und starrte den Menschen an, der da vorne eine Rede über unsere Zukunft hielt. Welche Ironie das meine Zukunft auf einem Stuhl irgendwo zwischen den ganzen Gesichtern saß. Der Motivationstrainer, der eine, wie es von unserer Schule angepriesen wurde, 'spannende Rede über die Gefahren und Möglichkeiten unserers weiten Lebens' halten würde, war ein älterer, dicker Herr, der nicht aussah, als wäre dies wirklich sein Traumberuf. Spannend war was anderes, dachte ich, während ich meine Füße dabei beobachtete, wie sie über dem Boden kreisten. Ein Wort erreichte mich sogar in meiner geistig völligen Abwesenheit, nämlich: Pause. Sofort fuhr mein Kopf nach oben, gerade noch rechtzeitig um zu sehen wie der Mann von der kleinen Bühne sprang. Erleichtert erhob ich mich von meinem Platz und reihte mich in den Strom der Schüler ein, die den Raum verließen.
Draußen atmete ich einmal tief ein und gesellte mich dann zu meiner Freundin, die gerade ein paar andere Leute begrüßten, die ebenfalls an der Vorlseung teilnahmen. Und in diesem Augenblick hätte ich dich sehen müssen. Erst Montae später erfuhr ich, das du ebenfalls da wars, mit genau den Menschen, die begrüßt hatte. Du musst in der Nähe gewesen sein. Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wenn ich dich damals schon kennengelernt hätte? Vielleicht würde ich das hier niemals schreiben, aber am Ende kommt das zusammen, was zusammen gehört.

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