Samstag

Von jedem Mädchen ist es der Traum von einem Jungen bedingunglos geliebt zu werden.

Mit einem Klick dreht sich der Schlüssel im Schloss um und die Musik, die vorhin noch laut durch die Tür drang, wird leiser. Jetzt sind wir vier alleine im dunklen Raum. Du, der Junge mit dem ich auf der Box getanzt hab, eine gute Freundin und ich. Die Federn des kleinen Bettes ächtzen, als wir alle uns darauf fallen lassen. Ich sehe fast gar nichts mehr, nur durch einen kleinen Spalt am Fenster fällt Licht in das Zimmer und malt geisterhafte Schatten an die Wände. Ich kann deinen Atmen neben meinem Ohr hören, du breitest eine Decke über dir aus, ich packe einen Zipfel, und krieche zu dir unter die Decke. >>Was geht eigentlich bei Robin?<<, die Stimme meiner Freundin zerreißt die wunderbare Stille, die zwischen uns herrscht. Ich setzte mich auf und lehne meinen Rücken an die Wand, an der der Bett steht. >>Junge der ist so voll.<<, kommt die Antwort von dir. >>Oh Gott, Robin is eh nicht so mein Fall<<, sage ich in die Dunkelheit. >>Wieso?<< >>Keine Ahnung, er macht mich halt immer an, so von wegen ich sei so süß und so.<< >>Ja bist du doch auch<<, deine Worte öffnen einen ganzen Käfig von Schmetterlingen in meinem Bauch. >>Im ernst, du bist das aller, aller, aller süßeste Mädchen in der ganzen Gegend.<< Mein Kopf will nicht glauben, was du gerade gesagt hast. Dieses gefühl ist unbeschreiblich, unbeschreiblich unglaublich. >>Oha, danke, richtig süß!<<, höre ich mich selber sagen. Immer wenn ich denke, ich schaffe es aufzugeben, kommst du wieder an, was soll das? Ich schrecke auf, als jemand an der Tür klopft. >>Lasst mich rein, was macht ihr denn da?<<, die Stimme dringt wie durch Watte zu uns. Der andere Junge steht auf und läuft zur Tür. >>Justin wo ist der Schlüssel?<<, fragt er. >>Ich hatte den nicht<<, antwortest du. Ich muss lachen, >>ist das euer Ernst?<< >>Nein Spaß ich hab ihn<<, kommt es von der Tür. Ich mag den Jungen, ich mag ihn sehr. Du bist wie ein Feuer, das immer wieder in mir auflodert, aber auch wieder vergeht. Ich weiß nie, wie lange deine wunderbare Wärme mir dieses mal erhalten bleibt. Er ist wie ein beständiges Glühen in mir drin, weniger ungewiss, aber niemals so warm wie du. Ein langes Seuftzen entfährt mir, mein Kopf ist zu voll um auch nur noch einen verwirrenden Gedanken mehr aufzunehmen. Und jeder Atemzug in eurer Nähe ist mehr als ich im Moment ertragen kann. Mit einem Knacken öffnet sich die Tür und grelles Licht brennt in meinen Augen. Mit schweren Schritten tapse ich auf den Flur, sehe mich um und kneife die Augen zusammen um das scheußliche Brennen los zu werden. >>Ach Süße so müde?<<, höre ich von dir, dann hebst du mich einfach so hoch, ich schlinge meine Beine um deine Hüfte und verhacke meine Füße hinter deinem Rücken. Und so bleibe ich sitzen, schaue dir in die Augen und grinse dich an. So soll die Welt für immer stehen bleiben, nur du und ich. Eingesponnen in einem Kokon aus klebriger Süße. Doch ich sehe aus den Augenwinkeln den genervten Blick deiner "besten Freundin", die gleichzeitig die beste Freundin des Mädchens ist, mit dem du rumleckst. Du wirfst mir einen bedeutungsvollen Blick zu und setzt mich wieder auf dem Boden ab. In mir drin brennt und lodert das Feuer. Ich beobachte, wie du zu ihr gehst, sie ebenfalls umarmst und ihr einen Kuss auf die Wange gibst. Durch die Musik werden Worte zu mir herangetragen, Worte die ich nicht hören möchte. >>Glaub mir ich liebe nur Nadine.<< Und damit löschst du das Feuer in meinem Bauch, ich habe mich daran verbrannt. Und es tut so unglaublich weh. 


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Ich kann mir das nicht ansehen, kann mir das nicht anhören. Mit schnellen Schritten lasse ich mich auf eines der Sofas fallen, die weit genug weg sind, um dich nicht mehr sehen zu müssen. Ich bemerke, dass sich jemand neben mich setzt, spüre wie sich ein Kopf auf meinem Schoß bettet. Gedankenverloren streiche ich durch die braunen dichten Haare. Es ist dieser Junge, nein nicht du, aber derjenige, der mir dieses Gefühl am nächsten bringt. Ich drücke mein Gesicht tief in meinen Schal, den du schon den ganzen Abend getragen hast, er riecht nach dir. Und du riechst nach Schmerz.

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