An ihren viel zu ernerhischen Schritten auf der Treppe bemerke ich, dass sie böse ist. Auf mich. Ich weiß genau, wie sie gerade aussieht, die Stirn zusammengezogen, die Fäuste geballt. Mein mutiges Ich steht jetzt auf und schließt die Tür ab, dreht die Musik auf und ignoriert die wütenden Worte, die sie mir durch die Tür zubrüllt. Aber hier auf dem Bett sitzt leider nur mein richtiges Ich. Und das zieht jetzt dir Knie an meinen Körper und betet still, dass sich meine Tür doch nicht öffnet. Ich zucke zusammen, als sie den Raum betritt. >>Was soll das?<<, brüllt sie mir entgegen. Ich blicke nicht auf. >>Ich dachte du willst den Keller wischen, ich hab echt die Nase gestrichen voll! Jetzt beweg dich mal!<< Mit einem lauten Knall haut sie dir Tür wieder zu. Aus dem Augenwinkel sehe ich, das es an meinem unteren Bildschirmrand orange blinkt. Ich öffne das Chatfenster. Kannst du mir gerade helfen? steht da. Nein, kann ich nicht, erst muss ich mir selbst helfen. Von dem Geräusch meiner eigenen schlurfenden Schritte begleitet mache ich mich auf den Weg in den Keller. Als ich die Tür öffne, schlägt mir eiskalte Luft entgegen. Ich stecke den Stecker des Staubsaugers in die Steckdose und trete auf den Schalter. Das laute Geräusch bereitet mir Kopfmschmerzen. Ab und zu ertönt ein leises Klicken, wenn ein Stück Dreck das Rohr heraufhezogen wird. Es ist nicht so dreckig wie meine Mutter behauptet hat.
Es ist dunkel draußen und mit jeder Sekunde wird meine Laune schlechter. Bis du aus der Tür trittst, begleitet von einem Schwall lauter Musik und Zigarettenrauch. Langsam kommst du mir entgegen und nimmst meine Hände. Dann gibts du mir einen Kuss auf die Stirn, behutsam, vorsichtig. Ich schlinge meine Arme um den Hals und küsse dich zurück. Das alles tut so gut. Wir lösen und von einander, ich entferne mich von dir, suche meine Freundin, die ich schon viel zu lange nicht gesehen habe. Ich kenne mich kaum aus hier, und es ist so schrecklich dunkel. Ich taste mich an den Wänden des Schuppens entlang und ramme mir einen Splitter in den Finger, was solls? Und da kniet sie, mitten auf dem kalten Boden, den Kopf nach vorne gebeugt. >>Ist dir nicht kalt?<< frage ich? Nur ein Kopfschütteln. Ich hasse es sie so zu sehen. Ich hasse sie. Nein, ich hasse es, das ich sie liebe, obwohl ich sie hassen sollte. Ich trete auf sie zu, halte ihre Haare zurück, während sie noch immer dort sitzt. >>Kann ich dich kurz alleine lassen?<<, meine Stimme zittert. Sie nickt. Ich renne los und rutsche fast aus auf dem Boden, der nass ist von dem Nieselregen, der schon die ganze Nacht fällt. Ich treffe dich auf dem Hof, >>kannst kurz mitkommen?<<, ich fasse deine Hand ohne auf deine Antwort zu warten und ziehe dich wieder hinter den Schuppen. >>ich weiß nicht, was ich mit ihr machen soll.<< Du legst eine Hand auf ihren Rücken. >>Komm, steh auf.<<, sagst du zu ihr. Ich mag deine Stimme, wenn du so sprichst. Ein leises Murmel kommt aus ihrem Mund. Du ziehst sie hoch. >>Du wirst sie niemals so sehr lieben wie ich, sie ist die einzige, die alles über mich weiß<<, lallt sie dir ins Ohr. Ich nehem ihre Hand, >>Ich liebe dich auch<<, du torkelst, stolperst über deine eigenen Füße und ziehst mich mit runter. Schmerz durchfährt meinen Körper als mein Ellenbogen über den kalten, dreckigen Boden schrappt. Du ziehst uns beide hoch, übergibts die Schnappsleiche einem anderen Kerl und ziehst mich ein deine Arme. Ich beginne schwer zu atmen, leide zu Schluchzen. >>Danke, danke das du da bist<<, flüstere ich. >>Kein Problem, ich liebe dich<<. Das bringt mich fast noch mehr zum weinen. >>Ich liebe dich auch.<<
Warum auch immer macht mich diese Erinnerung grade traurig, sie ist erst 2 Tage alt, ich sollte glücklich sein, und das ich es nicht bin, macht mir Sorgen. Ich öffne die Augen wieder, ich kann mich gar nicht erninnern sie geschlossen zu haben.
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